Montag, 12. September 2011

Status 22.09.2011

Meine Zunge ist gelähmt.

FOLGE:  Ich kann nicht mehr sprechen. Für einen Dauerquassler wie mich ist das Höchststrafe.

Hilfsmittel:
Ein Sprachcomputer, der "Ich liebe Dich" und "Du kannst mich mal kreuzweise" mit der gleichen Stimme und Tonlage spricht. Fluchen kann er auch nicht.

Ich kann nicht mehr schlucken. Dadurch läuft der Speichel aus dem Mund.


Hilfsmittel:
Papiertaschentücher. Tausende.

Ich kann nicht mehr essen. Wenn man eine Kneipe wie das Ultes im Ort hat, ist das die gemeinste Behinderung.


Hilfsmittel:
Eine Magensonde. Darüber kommt meine Nahrung direkt in den Magen. Durchmesser: 4mm. Versuchen Sie da mal eine Portion Leberknödel mit Sauerkraut durchzuschleusen. Alternative: Vollwertnahrung in Form und Aussehen am ehesten mit Schlamm vergleichbar.

Ich kann nicht mehr trinken.

Hilfsmittel:
Die bereits erwähnte Magensonde. Flüssigkeiten wie Bier oder Weinschorle sind eher problemlos.

Ich kann meine Zunge nicht mehr rausstrecken. Alternative: Mittelfinger zeigen.

Die Muskeln meines linken Arms sind weitgehend gelähmt.


FOLGE:

Ich kann nicht mehr Gitarre spielen. Hilfsmittel: Keines

Ich kann meine Hose nicht mehr alleine anziehen. Hilfsmittel: Uli oder Knopfschlinge

Ich kann keine Flasche mehr aufdrehen. Hilfsmittel: Uli oder Zange.

Ich kann meine Haare nicht mehr waschen. Hilfsmittel: Uli

Ich kann mir meine Nägel nicht mehr schneiden. Hilfsmittel: Uli.

Einige Muskeln im linken Bein sind gelähmt.

FOLGE:

Häufige Stürze. Hilfsmittel: Eine Teflon-Stütze, die verhindert dass mein Fuß nach außen kippt.

Desweiteren leidet meine Mundflora unter der Tatsache, dass keine Flüssigkeiten mehr durch den Mund kommen. Die Zähne lockern sich und werden mich irgendwann verlassen.

Die vernachlässigten Muskeln in Arm, Bein und Brust links neigen zu schmerzhaften, spastischen Krämpfen, auch im Ruhezustand. Bestimmte Bewegungen lösen diese Krämpfe auch aus. Der rechte Arm ist bereits im Anfangsstadium dieser Spastik.

Alles in allem ist das also eine Scheißkrankheit, wenn man bedenkt, dass ich im Anfangs- bis Mittelstadium bin. Es kommt also noch schlimmer.

Ich sollte aber nicht unerwähnt lassen, dass ich meine Lebenslust nicht verloren habe. Ich lache immer noch gerne, auch wenn es sich so anhört, als hätte ich den Verstand verloren. Der bleibt von dieser Krankheit interessanterweise unberührt. Was hat man sich dabei nur gedacht?


Bis zum nächsten Mal.

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